Ausgewählter Beitrag
Vor ziemlich genau zehn Jahren habe ich hier im Gedankensprudler schon einmal über diese Pflanze geschrieben. Damals war Kudzu für mich eine echte Entdeckung. Dieses Grün, das sich über Bäume und Sträucher legt und ganze Landschaftsteile aussehen lässt, als hätte jemand eine riesige grüne Decke darübergeworfen.
Meinen Kudzu-Beitrag von 2016 findest du hier
Nun bin ich wieder in den Südstaaten unterwegs. Und natürlich ist es wieder da.
Kudzu.
Diesmal habe ich einfach mal die Kamera draufgehalten. Denn auf einem Foto sieht man zwar diese unglaublichen grünen Flächen. Im Video wird aber noch deutlicher, wie vollständig Kudzu eine Landschaft einnehmen kann.
Die Geschichte hinter Kudzu habe ich in meinem alten Beitrag schon ausführlicher erzählt.
In Kurzform: Kudzu stammt aus Asien und wurde 1876 bei der Centennial Exhibition in Philadelphia in den USA vorgestellt. Später pflanzte man die schnell wachsende Pflanze im großen Stil an, unter anderem, um Bodenerosion zu verhindern.
Was damals niemand ahnte: Im warmen und feuchten Klima der amerikanischen Südstaaten fühlte sich Kudzu ein bisschen zu wohl.
Aus der erwünschten Pflanze wurde ein Problem.
Bei meiner erneuten Beschäftigung mit Kudzu bin ich über ein paar erstaunliche Details gestolpert.
Was man am Straßenrand sieht, ist nur ein Teil der Pflanze. Kudzu bildet enorme Wurzeln. Einzelne Wurzelstöcke können sehr groß und schwer werden. Genau das macht es auch so schwierig, die Pflanze wieder loszuwerden.
Ein bisschen Abschneiden reicht nicht.
Bleiben lebensfähige Wurzelteile zurück, kann Kudzu erneut austreiben.
Zwischen all dem Grün erscheinen im Spätsommer violett-purpurfarbene Blüten. Sie duften auffällig süßlich, oft wird der Duft mit Trauben verglichen.
Fast ein bisschen gemein.
Da überwuchert eine Pflanze Bäume, Sträucher und Strommasten und kommt dann auch noch mit hübschen lila Blüten daher.
Das ist vermutlich mein Lieblingsdetail.
In den 1940er-Jahren war Kudzu im Süden zeitweise so beliebt, dass Kudzu-Clubs gegründet, Kudzu-Feste gefeiert und sogar Kudzu Queens gekürt wurden.
Man muss sich das einmal vorstellen.
Eine Pflanze, gegen die heute mit erheblichem Aufwand gekämpft wird, wurde damals gefeiert.
Kudzu bekam irgendwann einen ziemlich passenden Spitznamen:
„The vine that ate the South
Die Ranke, die den Süden auffraß.
Natürlich frisst sie ihn nicht wirklich. Aber wenn man an einer Stelle steht, an der Kudzu alles überwachsen hat, versteht man sofort, woher dieser Name kommt.
Die Ranken wachsen über Büsche und Bäume hinweg und nehmen ihnen das Licht. Ganze Baumkronen verschwinden unter einer grünen Schicht. Zurück bleiben diese eigenartigen Formen, die man überall am Straßenrand entdecken kann.
Ich ertappe mich auch diesmal wieder dabei, wie ich aus dem Auto schaue und denke:
„Ja mei, ist das alles grün!
Den Satz habe ich tatsächlich schon vor zehn Jahren geschrieben.
Manches ändert sich offenbar nicht.
Nur schaue ich heute genauer hin.
Denn inzwischen weiß ich: Wo die Landschaft besonders satt, dicht und fast ein bisschen märchenhaft grün aussieht, steckt manchmal eine Pflanze dahinter, die hier eigentlich gar nicht hingehört.
Und genau das macht Kudzu für mich so spannend.
Wunderschön anzusehen.
Faszinierend in seiner Kraft.
Und gleichzeitig ein ziemlich eindrucksvolles Beispiel dafür, dass eine vermeintlich gute Idee des Menschen in der Natur eine ganz andere Richtung einschlagen kann.
Zehn Jahre später jedenfalls ist Kudzu wieder Teil meiner USA-Geschichten geworden.
Beatrice 03.09.2026, 22.37
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